Herr Tur Tur – Scheinriese des Managements

Herr Tur Tur

Information – Reflexion – Entscheidung.

Die seit einiger Zeit andauernde Informationshektik und -inflation sowie in Teilen auch Oberflächlichkeit erweckt hier und da den Eindruck, nicht mehr alle Entscheidungsparameter im Blick zu haben. Oh nein! Wie soll ich das hier abschließend bewerten? Ich muss doch sofort reagieren! Keine Zeit zum Validieren der Informationslage. Welche Informationen sind belastbar? Was sind bewusste oder zufällige Fakenews? Wie bekomme ich für die richtige Information die richtige Aufmerksamkeit? Ach ja, meine Chefin oder mein Chef will ja in einer Stunde auch einen allumfassenden Bericht erhalten, mit Lösungen.

Und schon ist „Herr Tur Tur“ im Managementalltag angekommen. Sie erinnern sich? Herr Tur Tur ist in Michael Endes Buch „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ der einfühlsame und friedliche „Scheinriese“. Er ist am Horizont in der Wüste bemerkbar, verursacht mit seiner überdimensionalen Erscheinung zunächst Angst. Beim Annähern stellt er sich als ganz normaler Mensch heraus. Im Journalismus wird er gelegentlich gegenteilig interpretiert, so auch im Berufsalltag.

Übertragen auf das Management ist Herr Tur Tur ein Alltagsphänomen. Geblendet von falschen, fehlenden oder überladenden Informationen wird ein Thema gelegentlich völlig überbewertet. Es erfährt dadurch nicht die  angemessene Aufmerksamkeit. Es erscheint übermächtig, unbeherrschbar. Wenn Führungskräfte dann noch aktionistisch handeln ist das Chaos perfekt. Welche Informationen und Erwartungen strömen zu einem aktuellen Thema außerhalb des eigenen Ökosystems über die Flut an Informationskanälen noch parallel auf das Management ein? Wie schafft die Entscheiderin oder der Entscheider, die Managerin oder der Manager die wesentlichen Parameter zu erkennen oder fehlende auszugleichen? Achtsamkeit für die richtige Aufmerksamkeit! Das ist der Schlüssel.

 

Entscheidungsdistanz oder Fachnähe?

Es gibt dafür kein echtes Patentrezept. Mit den eigenen Gaben des Fokussierens und der Reflexion wird es gelingen, Herrn Tur Tur fest in den Blick zu nehmen. Alles andere beim Annähern auszublenden, wie es Lukas und Jim Knopf in der Wüste tun, macht das Problem anfassbarer, klarer und kleiner. Informationsfluten kanalisieren, bewerten und Fachexpertinnen oder Fachexperten vertrauen. So beherrschen Sie die Herausforderung mehr und mehr, das Thema erhält die gebotene Aufmerksamkeit. Auch das ist eine Art von Achtsamkeit. Wenn die Managerin oder der Manager sich aber zu weit in die Sachtiefe hineinbegibt, droht sie oder er die gebotene Entscheidungsdistanz zu verlieren, den Kontext. Wirkungsvariationen der anstehenden Entscheidung geraten aus dem Fokus. Achtsamkeit wird zum Fremdwort.

Doch genau eben jene Achtsamkeit im Umgang mit dem Zuviel oder Zuwenig an Informationen schafft die thematische Nähe, um Herrn Tur Tur im Managementalltag klein werden zu lassen. Dadurch wahren Sie die Entscheidungsdistanz im erforderlichen Kontext, um nicht selbst zur beratenden Fachexpertin oder zum beratenden Fachexperten zu werden.

 

Probieren Sie es mal aus.

Führung MACHT Kultur.

Ihr Axel Beims

 

Fotocredit: Nina Luong by unsplash.com